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Die Suisse Romande, Herr Blocher und sein Grosspapa

13/02/2014

„Die Welschen hatten immer ein schwächeres Bewusstsein für die Schweiz.“ Christoph Blocher im Interview mit Markus Somm und Benedict Neff, Basler Zeitung (12.2.2014)
„Freilich muss auch gesagt werden, dass das schweizerische Gemeinschaftsgefühl in der welschen Schweiz noch nicht so entwickelt ist, wie in der deutschen; es geht ihr nach, dass sie noch nicht so lang an der Lenkung der Geschicke des Vaterlandes Anteil hat.“ Eduard Blocher: „Über den schweizerischen Partikularismus„, in: Schweizerische Monatshefte für Politik und Kultur 2 (1923), Nr. 12., S. 626.

Warum verschweigt uns Herr Blocher, dass er seine Thesen zum Nationalbewusststein der französischsprachigen Schweiz seinem Herrn Grosspapa verdankt?
Doch nicht etwa weil Pfarrer Eduard Blocher sein überlegenes „schweizerisches Gemeinschaftsgefühl“ zwischen 1914 und 1918 damit zum Ausdruck brachte, dass er Propaganda für das Reich Wilhelm des Letzten betrieb?(1) So schrieb der Pfarrer damals etwa, dass die Belgier eigentlich selber schuld daran gewesen seien, dass sie von den Deutschen überfallen, terrorisiert und ausgeplündert wurden, weil Belgien halt doch nicht so ganz so neutral wie die Schweiz gewesen sei.(2)

Solche Details können doch wirklich nur spitzfindige linke Junghistoriker – wie etwa den Schreiber dieser Zeilen – stören! Blochers Freunde von der „Alternative für Deutschland“ würden ihn aber bestimmt noch fester ans Herz drücken, wenn sie wüssten, dass er ein Enkel eines derart eifrigen Vorkämpfers der Interessen des Deutschtums in Europa ist.

(1) Vgl: Alexandre Elsig: „Un ‚laboratoire de choix‘? Le rôle de la Suisse dans le dispositif européen de la propagande allemande (1914–1918)“, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 63 (2013), Nr. 3., S. 382-404.
(2) Eduard Blocher: Belgische Neutralität und schweizerische Neutralität, Zürich 1915 [Stimmen im Sturm aus der deutschen Schweiz, Bd. 3].

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